In der Ergonomieanalyse nehmen die individuellen Eigenschaften der Mitarbeiter einen besonderen Stellenwert ein. Die Methode vergleicht die Beweglichkeit und die Kraftfähigkeit der einzelnen Mitarbeiter mit den Anforderungen des Arbeitsplatzes. Hierzu werden die Bewegungen mithilfe eines Motion-Tracking-Anzugs zunächst für einen Mitarbeiter erfasst und auf ein Menschmodell übertragen (s. Abb. 1).
Lösungen auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten
Weil unterschiedlich schwere Werkstücke zu unterschiedlich hohen Belastungen der Mitarbeiter führen, werden die Bewegungen mit den externen Lasten aus dem Arbeitsprozess gekoppelt. Hierdurch ist es möglich, die resultierenden Gelenkmomente und -winkel zu berechnen. Abbildung 2 stellt als Beispiel den Verlauf der Schultergelenkmomente beim einhändigen Greifen von 25 kg über der Zeit dar. Übersteigt das Moment bei einem Mitarbeiter einen Wert von 120 Nm (Abb. 2, rote Linie), sind umgehend Maßnahmen einzuleiten, wie z. B. Tragehilfen bei der Bewegung von Lasten oder eine günstigere Werkstückanordnung.
Ist das Schultermoment auch in den Belastungsspitzen unter 40 Nm (Abb. 2, grüne Linie), ist die Arbeitstätigkeit auch über einen längeren Zeitraum und das Arbeitsleben hinaus nicht schädlich für das muskuloskelettale System. Die Belastungsgrenzwerte werden mithilfe einer Handkraftmessung individualisiert. Wird bei einem Mitarbeiter eine niedrige Handkraft gemessen, lässt sich auf eine eingeschränkte Kraftfähigkeit schließen und die Belastungsgrenzwerte werden herabgesetzt, um eine Überbelastung zu vermeiden.
Individualisierung der Bewegungsabläufe ist möglich
Diese Form der Arbeitsplatzanalyse könnte man für jeden Mitarbeiter an jedem einzelnen Arbeitsplatz wiederholen, was jedoch sehr zeit- und arbeitsintensiv wäre. Mittels einer Transformation der Bewegungsabläufe kann für verschiedene Mitarbeiter unterschiedlicher Konstitutionen die Belastung am Arbeitsplatz bewertet und die individuelle Beanspruchung mithilfe der Fähigkeitsanalyse abgeschätzt werden.
Kontakt:
Justus Brosche
Institut für Produktionsmanagement
und -technik (TUHH)
+49 40 42878 3791
Hannes Wackerle
Institut für Biomechanik (BGU Murnau
und PMU Salzburg)
+49 8841 48 2534



