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Unter Druck - wie Arbeitsbelastung entsteht

Arbeitsbelastung ist eine individuelle Wahrnehmung. Keine Frage – manche Arbeiten wären für jeden, der sie ausüben muss, eine Belastung. Doch in anderen Fällen scheiden sich die Geister: Der eine kommt vergnügt zur Arbeit, während der Kollege, der denselben Job macht, schon wieder krank feiert. Wie ist die unterschiedliche Reaktion zu erklären?

Eine gewisse Arbeitsbelastung hält fit

Ein gewisses Pensum an Anstrengung ist als „Motor“ notwendig und sogar gesund. Beschäftigte können durch die Beanspruchung ihre Arbeit als abwechslungsreich und anregend empfinden. Sie haben Erfolgserlebnisse und können sich weiterentwickeln. Ein optimaler Zustand entsteht, wenn die Anforderungen weder zu hoch noch zu niedrig liegen, sondern zu den Kompetenzen und Kenntnissen einer Person passen.

Die empfundene Arbeitsbelastung hängt auch von der Persönlichkeit ab 

Inwieweit jemand seine Tätigkeit als belastend erlebt, hängt u. a. von seiner Persönlichkeit, seinen Kenntnissen, Fähigkeiten und auch von seiner Widerstandkraft (Resilienz) ab. Sicher hat auch die Lebensweise eine direkte Auswirkung darauf, wie gut jemand mit den Anforderungen seines Berufs umgehen kann. Das Arbeitsklima und der Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzen beeinflussen ebenfalls das Wohlbefinden.

4.0 wirkt direkt auf die Arbeitsanforderungen

Die Digitalisierung beispielsweise wirkt sich direkt auf die Arbeitsanforderungen aus. Einerseits werden Tätigkeiten vereinfacht, so dass z. B. Produktionsabläufe durch Knopfdruck, Touchscreen oder Handy-App gesteuert werden. Auf anderer Ebene müssen hochqualifizierte Fachleute komplexe Systeme miteinander vernetzen, Fehler wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen und diese aufwändig beseitigen.

Sowohl Über- als auch Unterforderung sind belastend

Schädlicher Stress durch Fehlbeanspruchung entsteht dann, wenn jemand dauerhaft unter- oder überfordert ist. Während der eine frustriert und angeödet von der ihn umgebenden Monotonie ist, steht der andere unter Dauer-Alarm. Die Folgen in beiden Fällen sind gleich: innere Anspannung, Nervosität, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen – um nur einige zu nennen. Psychische Belastungen werden den Betroffen manchmal erst sehr spät bewusst, weil sie diese zunächst als rein körperliche Müdigkeit oder Erschöpfung ansehen. „Das geht schon irgendwie. Ich muss mich zusammenreißen – und bald ist ja schon wieder Wochenende.“ Ändert sich nichts, tickt die Zeitbombe weiter.

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung müssen abgeglichen werden

Um einen Zustand der Über- oder Unterforderung festzustellen, spielt die Selbstwahrnehmung eine bedeutende Rolle. Das eigene Arbeitsergebnis wird gedanklich bewertet. Was bei den meisten Tätigkeiten, seien sie beruflich oder auch privat, abläuft, sind folgende Gedankengänge: 

  • Stimmen das geplante und das erzielte Arbeitsergebnis überein?
  • Stehen Aufwand und Ergebnis in einem vernünftigen Verhältnis zueinander?

Jemand, der in einer bestimmten Zeit ein Gerät zusammensetzen oder eine Reparatur durchführen möchte, ist frustriert, wenn er diese Spanne immer wieder überschreitet. Ähnlich niederdrückend ist es, wenn am Ende von stundenlangem angestrengten Herumwirken ein mehr als bescheidenes Resultat steht. Manchmal können Abweichungen durch Training oder eine Weiterbildung ausgeglichen werden. Ist dies nicht möglich, sind die Führungskräfte gefragt. Greifen können beispielsweise Maßnahmen zur Umgestaltung des Arbeitsplatzes oder der Ablauforganisation.

REFA-Tipps für das Reduzieren von Arbeitsbelastung:

Ein wichtiges Instrument, um Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des gesamten Teams zu erhalten, sind regelmäßige Pausen. Ein Knackpunkt besteht jedoch darin, dass Mitarbeiter oft auf kleine Auszeiten zwischendurch verzichten, um früher Feierabend zu machen. Ansatzpunkte:

 

  • Erholungspausen nach besonders ermüdenden Tätigkeitsabschnitten „verordnen“
  • Auf regelmäßige Ablösung z. B. durch Springer achten
  • Das Arbeitspensum begrenzen
  • Attraktive Pausenräume in der Nähe der Arbeitsplätze einrichten
  • Arbeitsmittel stilllegen, Firmen-Zugang zu Zeiten außerhalb der Arbeit verhindern

 

Ein Phänomen, das die Zukunft 4.0 mit sich bringt, ist die ständige Erreichbarkeit durch Mobilphons, Laptops und Tablet-PCs. Dadurch entsteht zwar eine größere Flexibilität (oft zum einseitigen Nutzen des Arbeitgebers), doch andererseits erschwert sich das geistige Abschalten. Abgesehen davon, müssen die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden, das dem Mitarbeiter eine ungestörte Freizeit ermöglichen soll. (Birgit Lutzer)

 

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